Üstra
Üstra hält dem Standort die Treue
Im Jahre 1862 wurde in Hannover, Nähe Steintor,
folgendes Gespräch belauscht: „Harry, hol
schon mal den Wagen.“ „Geht nicht, Stefan, der
Aufzug klemmt.“ „Versteh ich nicht, Harry.“ „So
ein neumodischer Kram funktioniert eben nicht
immer.“ „ Wollen wir mit der Straßenbahn fahren,
Harry?“ „Wird erst in 20 Jahren erfunden,
Chef. Warten wir lieber auf die Pferdebahn, die
gibt es schon in zehn Jahren.“

Schwacher Trost für Stefan und Harry: Zur ersten
Pferdebahnlinie hätten sie nicht weit laufen müssen,
denn sie begann 1872 direkt am Steintor
und führte bis Döhren. Vielleicht haben die beiden
ihren Wagen – es war natürlich nur eine Kutsche– aber doch noch irgendwie an den Start
gebracht.
Der mechanische Aufzug, von dem Harry seinem
verdutzten Chef berichtete, war ein Jahr zuvor
(1861) in der Wagenremise des königlichen Marstallgebäudes
in Betrieb genommen worden. Mit
seiner Hilfe konnten auch die 60 Einstellplätze
im Obergeschoss erreicht werden. Insgesamt
hatte das erste zweigeschossige „Parkhaus“ in
Hannover 150 Stellplätze für Kutschen und sonstige
Gefährte.
In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts hielt
zunächst die Pferdebahn, dann wenig später die
erste elektrische Straßenbahn in Hannover Einzug.
Die Remise wurde zum Hauptdepot für Pferde
und Waggons.
Schon zum damaligen
Zeitpunkt schlug das
Herz des hannoverschen
Nahverkehrs
also am Steintor. Bis
heute hat die Üstra
(die Abkürzung steht für „Überlandwerke und
Straßenbahnen Hannover“) diesem Standort die
Treue gehalten. Mittlerweile prägen drei maßgebliche
Gebäude
das Gelände zwischen
Hohem Ufer
und Reuterstraße.
Zum einen die
Hauptverwaltung,
die 1962 eröffnet
wurde. Der U-förmige
Komplex gilt als
bedeutendes architektonisches
Zeugnis
dieser Jahre. Vom Sitzungsbereich im Dachgeschoss
hat man einen tollen Blick über die
gesamte City.
Direkt neben der Hauptverwaltung schließt sich
die völlig sanierte Remise an. Im Zweiten Weltkrieg
weitgehend zerstört, wurde das Baudenkmal
in den achtziger Jahren nach historischen
Vorlagen rekonstruiert. Den „Kutschenfahrstuhl“
gibt es natürlich nicht mehr, in dem Haus sind
Konferenz- und Büroräume untergebracht.
Drittes und augenfälligstes Teil des Ensembles
ist der so genannte „Gehry-Tower“ an der Ecke
Goethestraße/Reuterstraße. „Ein Stück Weltarchitektur“,
jubelt die Üstra. Der international
renommierte Architekt Frank O. Gehry hat mit
dem neungeschossigen, in sich verdrehten
Gebäude nicht nur ein Wahrzeichen für Hannover
geschaffen, sondern durch die Edelstahlfassade
buchstäblich auch für mehr Glanz am Steintor
gesorgt. Wenn das Stefan und Harry noch erlebt
hätten.