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Steintorhistorie: Steintor Hannover

Steintor Hannover

Was ist schon einzigartig...

Einen Zahn müssen wir uns heute sozusagen selbst heraus operieren: Unser Steintor ist nicht einzigartig. Ach, lasst es uns einfach anders sagen: Andere Städte schmücken sich mit Raubkopien. Das Original haben wir. Und das Geheimrezept dazu: ein paar muckelige Straßen, ein paar kuschelige Ecken, viel Herz und viiiiel Gefühl. Das ist unser Kiez, unser Karree, unsere Amüsiermeile – dagegen ist alles andere müder Abklatsch.
 
Doch wollen wir nicht allzu hochmütig sein. Man muss auch gönnen können. Also ein kräftiger Applaus für alle Steintore dieser Republik: Ganz gut, aber eben nicht original. Knapp vorbei ist auch daneben – das gilt vor allem für unsere Bremer Freunde. Mit dem Ostertor bildet das Steintor dort "Das Viertel". Kleinkunst und Kulturaktivismus finden dort ihren Platz. Das war nicht immer so. In den Siebzigern sollte "Das Viertel" sogar mal für ein Straßenbauprojekt plattgemacht werden. Mittlerweile prägen Yuppies das Geschehen und mit ihnen Designer-Boutiquen, Trendlokale und snobistische Infrastruktur.

In Rostock ist das Steintor ein Steintor. Der Renaissancebau wurde im Jahr 1577 errichtet, nachdem man das bis dahin bestehende mittelalterliche Tor dem Abriss preisgegeben hatte. Ursprünglich war bis 1849 ein massiver Rundturm vorgelagert. Das im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Tor wurde zwischen 1950 und 1956 in seiner jetzigen Form rekonstruiert. Die Inschrift: "Sit intra te concordia et publica felicitas" (In deinen Mauern herrsche Eintracht und allgemeines Wohlergehen) könnte auch über der Reuterstraße oder der Scholvinstraße stehen.

Ein paar Kilometer von Rostock Richtung Polen kommt man in Anklam vorbei. Seit Jahrhunderten ist das Steintor Wahrzeichen der Stadt. Dieses 32 Meter hohe Tor aus der
Backsteingotik ist das einzig erhalten gebliebene von insgesamt 6 Stadttoren der mittelalterlichen Befestigungsanlage Anklams. Es wurde vermutlich schon um 1250 angelegt. Im 19. Jahrhundert wurde es als Gefängnis genutzt, ehe es fast 100 Jahre ungenutzt blieb. Erst 1989 wurde es, zum Museum umgebaut, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Einen haben wir noch: in Goch irgendwo am Rhein. Fast schon im Land von Genever und Frikandeln. Dort ist das Steintor das einzige noch erhaltene Stadttor der Stadt. Es besteht aus einem viereckigen Torbau und zwei Rundtürmen. Die beiden Rundtürme enden oben in einem Zehneck. Die Mauern sind mehr als einen Meter dick. Im obersten Stockwerk ist eine"Pechnase" enthalten. Von hier aus wurde Pech oder heißes Öl auf Feinde vor dem Tor gegossen. Nicht besonders liebevoll. Da loben wir doch unser hannöversches Steintor. Und wenn wir bei den anderen vorbeikommen, laden wir sie zu uns ein – damit sie mal so richtig vor die Tür gehen können.