Raffi
„Zwei Mal verheirat und 25 Mal verlobt“
Raffi kennt sich aus im Karree. Fast 40 Jahre war er mittendrin statt nur dabei. Und bis heute fasziniert ihn das Leben zwischen Marstall und Goethestraße. So war es natürlich keine Frage, dass er auch beim Steintor-Fest Anfang September kräftig mitmischte.

Angefangen hat alles 1964. Zunächst ein paar Aushilfsjobs. Schnell wurde mehr daraus. Reuterklause, Columbus, „Schall und Rauch“ („Da hat so ne Fünf-Mann-Kapelle immer Puffmusik gespielt.“), „Tag und Nacht“ („Treffpunkt von allen: Schlipsträger und Zuhälter.“) – die alten Läden kennt Raffi („Zwei Mal verheiratet und 25 Mal verlobt.“) natürlich aus dem Effeff. Kein Wunder: In den meisten hat er selbst gearbeitet. Ehe er 1974 Geschäftsführer im Herz-As wurde – und bis 2002 blieb. „Eine klasse Animier-Bar – ohne Koks und Scherereien.“ Jetzt ist der waschechte Hannoveraner 60 Jahre alt und fest davon überzeugt, dass das Viertel noch nie ein so gutes Renommée hatte wie derzeit. „Der Lange hat das alles prima organisiert. Ganz hervorragend.“ Das war nicht immer so. „Die neunziger Jahre waren beschissen. Da hat meine Frau immer gesagt: Hoffentlich kommst du heile nach Hause.“ Zuviel Gewalt, zu viele Pistolen. „Damit ist es jetzt vorbei. Das Steintor ist auf dem richtigen Weg.“ Wenn Raffi sagt, „früher war alles besser“, dann meint er die Zeit vor dem Mauerfall. „Damals, das waren noch Typen im Karree.
Jeder hatte seinen Spitznamen: Sekt-Else, Brillen-Peter, Chancen-Helga, der Schwarze-Peter, Boxer-Dieter und all die anderen.“ Raffi heißt
übrigens Raffi, weil er in seiner Zeit als Torwart der berühmten Steintor-Fußballmannschaft in seinen Paraden wohl an einen anderen Keeper erinnert haben soll, der schon diesen oder einen ähnlichen Namen trug. Na, jedenfalls heißt Raffi Raffi und war nicht nur Torwart sondern bis in die neunziger Jahre auch Manager und Kassenwart der Steintor-Kicker, die sich auf der Anlage vom SC Elite an der Stadionbrücke zum Fußball spielen trafen. Mehr schlecht als recht wurde die Kugel hin- und hergebolzt. Trotzdem hatte das Team, das als SC Elite III in den unteren Ligen mitspielte, zahlreiche Bewunderer. Raffi: „Wenn wir irgendwo zum Spiel kamen mit den dicken Autos und den Mädchen, haben die anderen nur die Augen aufgerissen. Und hinterher haben wir in der Vereinskneipe Zeche gemacht, da konnten die vier Wochen Weihnachten feiern.“ Im Gegenzug hielt sich die Gegenwehr der anderen Mannschaften angesichts der Ansammlung gestandener Steintorgrößen in Grenzen. So manche Grätsche wurde gegen den SC Elite III nicht gegrätscht, so mancher Schubser nicht geschubst.
Früher war eben vieles besser – und seien es die Sonntag Nachmittage auf dem Fußballplatz.