Anzeiger Hochhaus
Kuschelatmosphäre unter der Kuppel
Als Kinos noch Lichtspiele waren, Flebbe noch
Filmrollen gewechselt hat, Multiplex vielleicht
ein Fachbegriff bei Tupper-Partys war, Cola nicht
aus Litereimern geschlürft wurde. Als man auch
in den ersten Reihen schwindelfrei blieb, in den
hinteren Sitzen der Typ neben dir interessanter
war als der Film, „Diva“ monatelang lief und
echt kultig war.

Als die „Easy Rider“ gut
drauf waren, Filme 90 Min.
und nicht vier Teile dauerten,
beim Reingehen kräftig
gedrängelt wurde und
man nicht von einer Dolby-Surround-Mega-Ist-mirschlecht-Dröhnung in den
Sessel gepresst wurde.
Damals, weit vor unserer
Cinecenter-mit-Tiefgarage-Zeit, gab es in Hannover
schon längst ein Kinoleben
mit „Boah“-Effekt. Einen
Steinwurf vom Karree entfernt
hat das „Kino im
Hochhaus“ seine Besucher
seit 30 Jahren nicht im
Stich gelassen. Bis heute
gibt es dort in einem der
herausragenden Architektur-Denkmäler der Stadt,
dem Anzeiger-Hochhaus, ein einmaliges Kinoerlebnis.
Das beginnt im Grunde schon bei der
Entscheidung: „Nehmen wir den Fahrstuhl oder
gehen wir das kleine Stück zu Fuß?“ Was zu folgenden
Situationen führt: Sie fährt, er – ganz
cool – geht. Oben, nach mehr als 200 Stufen,
kommt er kurzatmig an, schwitzt ein wenig und
ist alles andere als cool. Oder: Beide gehen, weil
sie immer an seiner Seite bleiben will: Oben ist
die Stimmung total im Eimer, denn sie stellt fest,
dass er ihr nicht gesagt hat, dass es 16 Treppen
hinauf geht. Noch einmal zwei
Treppen höher befindet sich der
Kinosaal, der höchstgelegene in
ganz Deutschland: 33,88 Meterüber dem Straßenniveau. Trotz
aller möglichen Qualen entschädigt
dieses Kino für so ziemlich
alles. 302 französische
Komfortsessel warten
auf die Besucher. Die
besondere Form des
kreisrunden Saals
(Durchmesser 19,75 m)
erinnert an seine Vergangenheit
als Planetarium.
Dabei hat alles Plüschige seine
Grenzen. Die Technik ist nämlich seit
dem Umbau vor fünf Jahren vom Feinsten.
Die Leinwand ist 3,60 x 7,20 m
groß, die Projektionsentfernung beträgt
18,60 m.
Vorstellungen gibt es üblicherweise um
14:30, 17:15, 20 und 22:45 Uhr. Die
Eintrittspreise liegen zwischen 4,50
Euro für Kinder und 6,50 Euro für
Erwachsene. Am Super-Kino-Dienstag
zahlen Erwachsene ebenfalls nur 4,50
Euro. Für Studis gibt’s Ermäßigungen.
Einmal im Monat findet Hannovers älteste
Sneak-Preview statt. Dann wird ein Überraschungsfilm vor seinem offiziellem
Starttermin gezeigt. Der Eintritt beträgt
5,50 Euro und neben dem Film gibt es ein Gläschen
Sekt oder Orangensaft und eine Einleitung
von Filmfan Lothar mit der Verlosung seiner
(mehr oder weniger) schönen Preise!
Kult-Charakter hat auch die Sonntags-Preview:
Für Frühaufsteher und alle, die den anderen
etwas voraus sein möchten gibt es an jedem
zweiten Sonntag im Monat um 11 Uhr eine Vorpremiere
eines viel versprechenden Filmes.
Davor gibt es zum Wachwerden Kaffee gratis!