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Steintorhistorie: Collys

Collys

Collys wahnsinnig

Die besten Geschichten schreibt das Leben. Manchmal ist eine Geschichte so verrückt, so extrem, so unglaublich, dass man meint, dies müsste alles der Phantasie entspringen. Oder man ruft: „Hey, Mann, schreib doch mal 'n Buch. Die Story ist einfach irre.“
 
Lothar Kohlrausch, den keiner Lothar ruft und schon gar nicht „Herr Kohlrausch“, könnte wirklich ein Buch schreiben. Und nach Hunderten von Seiten wäre wohl immer noch nicht alles erzählt. Davon wie sich „Colly“ durchgeboxt hat. Wie er nach oben kam. Wie er die Welt gesehen hat. Wie er Gewinner war und durchs Zocken alles verlor. Wie das Steintor seine Heimat wurde. Und natürlich wie seine Frau Sylvia ihm bei allen Höhen und Tiefen die wichtigste und treueste Stütze geblieben ist.

Nehmen wir das Ende dieser Folge der „Steintor Historie“ einmal vorweg: „Ich habe mein Leben gelebt und bereue nichts.“ Das ist Collys Zwischenfazit nach einer turbulenten, berauschenden Berg-und-Tal-Fahrt.

Angefangen hat alles in einem Lindener Tanzschuppen. Dort im „Dornröschen“ fiel Colly einigen alten Steintor-Größen auf, die wohl eher zufällig Zeuge einer Rangelei geworden sind, bei der Colly im Mittelpunkt stand. „Sie nahmen mich mit in die Stadt: Günter Bohler, Bullo Stiller und all die anderen“, erinnert sich Colly, der zuvor als Maurer seine Mark verdient hatte und sich plötzlich im prallen, schrillen Steintorleben wiederfand.

Erste Stationen: Peter Eckhorns „Top Ten“ in der Goethestraße, das ESP („Ein schöner Platz“), das Columbus. „Alle Läden waren jede Nacht rappelvoll. Beim Lohntütenball und auch sonst. Kellnern war ein lukrativer Job. So lukrativ, dass wir sogar unsere Schichten verkaufen konnten. Und Heiligabend hatten wir im Columbus 1000 Mark pro Nase.“ Im ESP lernte Colly 1969 Sylvia kennen. Drei Jahre später wurde geheiratet. Bis heute sind sie glücklich miteinander.

Bald schon eröffnete er mit seinem Partner Berni Burchardt den ersten eigenen Laden. Die ehemalige„Hähnchen Bar“ wurde in den „Sex Salon“ umgebaut. „Dort traf sich alles, was Rang und Namen hatte. Leute aus der Halbwelt und ganz seriöse Geschäftsmänner.“ Von nun an ging es steil bergauf. Colly und Berni hatten einen Laden nach dem nächsten: „Tag & Nacht“ (heute: Heartbreak Hotel), „Scholvin 8“ (heute: Sex Inn), das „Penny Lane“ in Munster, die„Häschenbar“ in Bad Wildungen und und und.„Die Kohle kam rein wie Wasser.“ Ein scheinbar nicht versiegender Strom. Und die jungen Leute – Colly ist heute 66 Jahre alt – wussten, was sie wollten: sie wollten leben und auf den Putz hauen und nicht an Morgen denken. So wurde im großen Stil Geld verdient und wieder ausgegeben.

Collys Schicksal wendete sich nach der Eröffnung des „Casablanca“ im Goethehaus. In diesem und anderen Casinos verspielte Colly „Haus und Hof, Auto, Rolex, einfach alles“. Millionen gingen flöten.

Was blieb: Sylvia, viele Freunde im Karree und die Erinnerungen an eine extrem gute Zeit. Colly sagt: „Es waren unglaublich starke Jahre. Alle, die am Steintor zu tun hatten, haben an einem Strang gezogen.“ Mit vielen hat er sogar unter einem Dach gewohnt, auch mit Peter „Brille“ Friedrich, dem Chef des Eve-Clubs. „Mensch, Colly“, sagt Peter, „wir sollten wirklich ein Buch schreiben.“ Und dann werden sie ihre Geschichte erzählen, die auch die Geschichte des Steintors ist.