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Steintorhistorie: Max Walloschke

Max Walloschke

Erst Ringer, dann Gastwirt

Ob der Eisbein-Boogie je zur Aufführung gelangt ist, können wir leider an dieser Stelle nicht abschließend klären. Vermutlich weiß man im Jazz-Club näheres darüber. Tut aber im Moment auch nichts zur Sache; denn schließlich geht es weniger um Kunst als ums Fleisch.
 
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir meinen nicht irgendein Stück Fleisch, kein y-beliebiges Schnitzel oder gar ein hauchzartes Filet. Nein, wir reden von Eisbein. Mit Sauerkraut. Und ordentlich Senf.

Vibraphonist Lionel Hampton - einer der herausragenden Jazzmusiker des vergangenen Jahrhunderts - hat dieser urdeutschen, deftigen Spezialität buchstäblich die besondere Note verliehen. Es war an einem Abend 1974 bei "Max Walloschke" an dem der Amerikaner seine Liebe zu diesem herrlichen Gericht entdeckte. Prompt griff er zum Stift, und weil kein Blatt Papier zur Hand war, kritzelte er die Noten für den "Eisbein-Boogie" auf die Serviette. Anderentags - ein Genie vergisst nichts - trug er die ersten Takte in das Goldene Buch der Stadt Hannover ein. Spätestens damit war es amtlich: Das Eisbein bei "Max Walloschke" ist weltberühmt! Wahrscheinlich ist sogar die Kneipe an der Langen Laube weltberühmt. Es gibt jedenfalls eine ganze Reihe von Stammgästen, die zuletzt die CeBIT-Tage für einen Abstecher in das Eisbein-Paradies genutzt haben. Glucksende Japaner, die sich vor ihren Tellern gegenseitig fotografiert haben. Indische Programmierer, amerikanische Chip-Fuzzis, Handyfabrikaten aus China, Informatikstudenten aus Namibia, Hostessen aus Schweden – alle finden Walloschkes Eisbein weltklasse. Ob es sich genau so zugetragen hat, lässt sich nicht ganz belegen.

Aber es ist ziemlich wahrscheinlich. In den Jahren seit 1952 ist „Max Walloschke“ an der Langen Laube, einen Steinwurf entfernt vom Karree, eine Institution. Gegründet vom Namensgeber in der Aufbauzeit nach dem Krieg. Das Steintor wuchs langsam aus den Trümmern empor. Das gutbürgerliche Lokal war eines der ersten, das in dieser Zeit seine Türen öffnete.

Walloschke, der Mann aus Breslau, war schon zuvor ein bekannter Mann in der Stadt. Als Berufsringer verdiente er sein Geld – auch bei den großen Turnieren auf dem Schützenplatz. Ein Kerl wie ein Baum – doch im Umgang mit den Gästen in seinem Lokal keineswegs grobschlächtig. „Er hatte immer einen persönlichen Draht zu den Kunden. Sie schätzten seine positive Ausstrahlung und seine freundliche Art.“ Horst Kopp erinnert sich gut an Max Walloschke, denn der Gastwirt war ein guter Freund seines Vaters. Und die Familie Kopp beliefert mit ihrem traditionsreichen Getränkehandel bis heute die meisten Lokale rund ums Steintor. So war es praktisch ein Freundschaftsdienst, dass Horst Kopp das Lokal „Max Walloschke“ 1974 – der Gründer war zwei Jahre zuvor gestorben – übernahm und in seiner Tradition bis heute weitergeführt hat. Viele prominente Künstler finden immer wieder den Weg in die Lange Laube 2. Ebenso die Catcher und viele andere Leute mit Rang und Namen. Früher kamen auch diejenigen, die im Karree ihr Geld verdienten. „Wer auch kam: Alle wurden anständig behandelt. Bei Max Walloschke herrschte Zucht und Ordnung. Das wurde von allen respektiert“, sagt Horst Kopp.

Eine besondere Attraktion – neben dem Eisbein – hatte Walloschke jeden Tag auf Lager. Sein Schäferhund stieg – wenn er eigentlich lieber sofort das
Bein gehoben hätte – in die nächste Straßenbahn nach Laatzen. „Um 13 Uhr bist du wieder zurück“, hat ihm Walloschke hinterher gerufen. Und wenn
der Hund dann tatsächlich pünktlich wieder ins Lokal trabte, jubelten und applaudierten die Gäste. Bestellten noch ein Bier und – wer noch keins hatte
– ein Eisbein mit Sauerkraut.