Alle Termine   •   Locations   •   Fotoalben   •   Steintorhistorie   •   Gästebücher   •   Jobs   •   Kontakt  
Steintorhistorie: Stefan

Stefan

Bei „Stefan am Marstall“ findet Mann das Richtige

Es gibt Dinge im Leben, von denen man ahnt, sie könnten ohne ein passendes Gegenstück nicht sinnvoll existieren. Eine CD ohne Player bringt es irgendwie nicht. Titanic ohne Untergang – würde kein Hahn nach krähen. Schröder ohne Deutschland – etwa so wie Hannover ohne Schmalstieg. Auto ohne Räder – kann man ja gleich zu Fuß gehen. Bratwurst ohne Glöckle – Zoo ohne Elefant – 96 ohne Enke – Maschseefest ohne Sonne... kannst du getrost vergessen.
 
Und nun dies: „Stefan am Marstall“ ohne Stefan.34 Jahre eine unglaubliche Vorstellung.Nein, nein...wie soll das gehen? Doch EdwinaWohl ist bereits auf dem besten Weg, den Gegenbeweis anzutreten.
Am 1. Juli hat die charmante Nachfolgerin das Geschäft von Stefan Dammann übernommen.Und sie kann sich über Zuspruch nicht beklagen:„Die vielen Stammkunden haben dem Geschäftdie Treue gehalten. Außerdem finden zunehmend auch immer mehr Frauen den Weg zu uns an den Marstall.“
Ohne respektlos zu werden: Mit Frauen hatten Stefan und sein Partner Peter Hustedt wenig imSinn. Zumindest was das Geschäftliche anging. Seit der Laden am Marstall 1971 eröffnet wurde, gibt nämlich ausschließlich – nennen wir es erstmal etwas unkonkret – Dinge für den Herrn. Bei der Wahl des Standortes hatte Stefan Dammannein glückliches Händchen bewiesen. Schnell etablierte sich der kleine Laden sowohl bei den Kiezgrößen als auch in der Schwulenszene. Exklusive Wäsche und Bademoden kauften Männer, die sich einen besonderen Geschmack leisteten, bei Stefan. Doch damit nicht genug: Stefan konnte außerdem auf seine schneiderischen Fähigkeiten vertrauen. Und die Kunden vertrauten ihm. Vor allem die Kiezkönige belebten viele Jahre das Geschäft. Pelzmantel, dicke Kette, Stiefel und Herrentäschchen – so spazierten die Steintorgrößen in Stefans kleinen Laden. Manch einer kaufte maßgeschneiderte Hemden und Hosen gleich im Dutzend – und zahlte bar: „...stimmt so.“Nicht selten liefen bei „Stefan am Marstall“ die Nähmaschinen nächtelang ohne Unterbrechung.Der Ladenbesitzer arbeitete, bis sein Kopf auf das feine Tuch sackte und er mit der Nadel inder Hand über der Arbeit einschlief.
34 Jahre waren Stefan und Peter für ihre Kunden zur Stelle. In den Urlaub fuhr das Paar zumeist getrennt. Jetzt genießen sie auf Sylt die erstenWochen ohne den Trubel des Geschäftes. Am Marstall 7 und 9 planen Edwina Wohl und ihr Lebensgefährte Jürgen Kuhlmann unterdessen einige kleinere Veränderungen. In den nächstenWochen soll der Laden um neun Quadratmeter erweitert werden. In dem zusätzlichen Raum wird Kleidung in Lack, Leder, Gummi und Seide angeboten. „Für den Fetisch-Bereich. For men, versteht sich“, erläutert die neue Chefin.
Ansonsten bleibt vieles beim Alten. Die zahlreichen Stammkunden, die auch aus Bremen, Hamburg und Berlin den Weg an den Marstall finden, wird es freuen. Einer kommt sogar aus Schweden– alle zwei Jahre, während der Holzfachmesse Ligna, gibt er mehrere hundert Euro für Unterwäsche der Extraklasse aus. Auf den Ständern und in den Regalen finden die Kundenbewährte, exklusive Marken: HOM, Calvin Klein,Olaf Benz, Manstore. Die Atmosphäre bleibt auch künftig gewohnt familär. Das „Du“ ist selbstverständlich, und manchmal gibt es Prosecco.
„Fast zwei Drittel Homosexuelle, ein Drittel Milieu und ein paar andere – das waren früherdie Kunden“, so schätzt Jürgen Kuhlmann. „Mittlerweile finden auch immer mehr Hannoveraner spontan den Weg zu uns.“ Man darf also sicher sein: „Stefan am Marstall“ geht auch ohne Stefan– auch wenn es zunächst ungewohnt ist!